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Dienstag, 31 Juli 2018 21:29

WriteUp! "Der Mann und der Sumpf" von Gelbschwinge

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Der dritte Treppchenplatz unserer ersten Runde ist an Gelbschwinge gegangen, dessen Geschichte ihr nun - endlich - auch alle zu lesen bekommt.

Es war knapp, wir haben auf dem dritten Platz zwei Geschichten, die mit insgesamt 11 Sternchen abgeschnitten haben. Für die Blogveröffentlichung haben wir uns schließlich ganz diktatorisch für die entschieden, die uns stilistisch besser gefallen hat. Also aufgepasst - hier kommt die Kurzgeschichte von Gelbschwinge.

Sie spielt im Universum von Warmachines/Hordes und hat uns inhaltlich gut gefallen, wenngleich zuweilen leicht verwirrt - dafür gab es 4 Sterne von uns. Auch am Stil hatten wir wenig zu bemängeln, an einigen Ecken und Kanten fanden wir es etwas "technisch", was den Lesefluss stolpern lässt, aber im Großen und Ganzen waren wir zufrieden - 4 Sterne. In Sachen Form hatten wir doch einige Fehlerchen bei Rechtschreibung und Grammatik zu beklagen, daher gab es an der Front nur 3 Sterne. Und nun los - leset und erfreuet euch!

 

Der Mann und der Sumpf (Gelbschwinge)

Es war Abend und der Mann saß auf einer groben Holzbank vor seiner Blockhütte. Vor ihm brannte ein kleines Feuer. Langsam legte sich Dunkelheit über die Sumpflandschaft. Man hörte das Sirren der Moskitos und anderer Insekten, die scheinbar friedlich über dem Wasser ihre Kreise drehten. Der Mann hörte sie lange nicht mehr. Sein Blick schweifte zwischen drei Sachen umher: der Flasche cygnarischen Branntweins, der großen hellen Lederhaut, die er zum Trocknen aufgespannt hatte, und dem mit Steinen bedeckten Erdhaufen. Bis heute waren es zwei gute Jahre im Sumpf gewesen, dachte er, bis heute.

 

Wie jeden Morgen war er früh aufgestanden, eine der wenigen positiven Eigenschaften aus seiner Zeit als Soldat. Sein Hund war natürlich früher wach gewesen, nun das war er immer, der Angeber. Der Mann hatte sich einen Tee gekocht und dazu Trockenfleisch gekaut, nicht das beste Frühstück, aber es reichte ihm. Wie jeden Morgen hatte er die angespitzten Pfähle um seine Hütte kontrolliert, die verhindern sollten, dass etwas unerfreulich Großes zu nah an die Blockhütte kam. Danach kontrollierte er routiniert seine Ausrüstung, er hatte sich vorgenommen, noch einmal auf die Jagd zu gehen. Eigentlich hatte er heute schon zur Siedlung aufbrechen wollen, aber es widerstrebte ihm. Nur einmal noch, dachte er, ich kann es nicht ewig aufschieben, die Vorräte gehen zur Neige, aber wenn ich noch ein paar Lederhäute mehr zum Handeln hätte, wären es gut. Er wusste, er machte sich etwas vor. Er wollte einfach nicht zur Siedlung. Die Männer dort, sie waren wie er. Sie erinnerten ihn an die Armee. Also war er auf die Jagd gegangen.

 

Der Mann streckte sich, nahm einen Schluck. Es half gegen die Schmerzen in seinem linken Arm. Dann ging er zu dem Erdhügel herüber. Er kniete nieder und goss etwas Branntwein auf die Steine. Wie nach der Schlacht, dachte er trübselig. Er schleppte sich wieder zu seiner Bank, setzte sich und starrte in den Himmel. Die ersten Sterne waren zu sehen.

 

Es war ein guter Tag für eine Jagd gewesen. Es hatte schon einige Tage nicht mehr geregnet. So war das Wasser ein wenig zurückgegangen. Der Mann war optimistisch, mit etwas Glück würde er ein oder zwei Krokodile finden, die sich zu jagen lohnte. Die Sonne schien, er hoffte darauf, mal wieder ein größeres Exemplar zu finden. Nachdem er sich vier Stunden über ihm bekannte, relativ trockene Pfade durch den Sumpf bewegt hatte, gelangte er an eine Stelle an der zwei kleine Flüsse zusammenflossen, in dieser Gabelung auf einer Sandbank zwischen ein paar großen Steinen lag ein drei Meter langes Krokodil. Es wärmte sich in der Sonne. Der Mann nahm sein Gewehr vom Rücken, während sein Hund geduldig neben ihm wartete. Er zielte sorgfältig. Dann schoss er, der laute Knall zerriss den Frieden der Umgebung und schreckte die Vögel auf. Das Krokodil zuckte kurz auf und blieb dann regungslos liegen, während sein Blut den Sand rot färbte. Der Mann brauchte nicht lange, bis er einen sicheren Weg über den Fluss fand. Als er zu dem Kadaver des Krokodils kam, stellte er fest, dass die großen Findlinge mit matten, schwarzen Runen überzogen waren. Er stieß einen Fluch aus. Er schaute sich hektisch um. Dann griff er nach dem Kadaver. Er war sehr schwer. Aber er schaffte es grade so, ihn zu schleppen. Er verließ die Stelle mit den Steinen, drehte sich dabei noch einmal kurz um. Er dachte kurz, dass er etwas im Wasser gesehen hätte. Er folgte dem Fluss, diesmal etwas länger, bis er eine wirklich sehr seichte Furt fand. Hier zerrte er den Kadaver herüber. Grade als er mit seinen Füßen die andere Seite erreichte, geschah es. Aus dem Augenwinkel sah er es noch. Etwas schoss aus dem brackigen Wasser hervor, sein Maul voller spitzer Zähne, schnappte es nach ihm. Er warf sich zurück, so dass sich die Zähne nur in den mit Stahl verstärkten ledernen Armschutz seines linken Armes gruben. Die Wucht des Angriffes riss ihn von den Füßen. Wäre sein Hund nicht gewesen und hätte genau in diesem Moment der geschuppten, weißen Echse in den Hals gebissen, hätte sie den Mann wohl in den Fluss gezogen. So ließ sie den Arm des Mannes los und wälzte sich im Wasser, um den wütenden Hund loszuwerden. Die Zähne des Hundes rissen eine tiefe Wunde in den Hals der Kreatur. Aber als er abgeschüttelt wurde, wirbelte diese sofort im Wasser herum und verpasste dem stämmigen Hund einen mächtigen Kopfstoß, worauf dieser aufjaulte. Der Mann kam grade auf die Beine, als das Krokodil sich in dem Hund verbiss. Er griff mit seinem gesunden Arm zu seinem Revolver und schoss auf die große Kreatur, welche sich, fest in den Hund verbissen, wild hin und her warf. Hektisch lud der Mann seinen Revolver nach, während sich das Krokodil und der Hund in einem tödlichen Ringkampf hin und her warfen. Nach weiteren sechs Schüssen sackte das Krokodil in sich zusammen. Quälend langsam befreite sich der Hund aus dem Maul der Kreatur und humpelte ans Ufer, auf dem er aus tiefen Wunden blutend zusammenbrach. Der Mann eilte zu seinem Hund.

 

Der Mann schaute rüber zu der aufgespannten bleichen Haut, sie maß bestimmt vier bis fünf Meter. Eine so große Bestie hatte er noch nie erlegt und ein Albino-Krokodil hatte er noch gar nicht gesehen. In der Siedlung würde er für diese Haut mehr kriegen, als für alle anderen Häute, die er seit dem letzten Besuch angesammelt hatte, zusammen, ging es ihm durch den Kopf. Aber Freude kam bei dem Gedanken nicht auf. Es war wie früher, als sie ihm den Orden und die Beförderung angeheftet hatten. Als Belohnung für die heldenhaften Verdienste in der Schlacht.

 

Es war eine unruhige Nacht des cygnarischen Bürgerkriegs gewesen, immer wieder waren aus dem Süden einzelne Schüsse zu hören gewesen. Die Gebäude, helle südländische Lehmbauten, waren durch die klare Nacht gut zu erkennen. Es handelte sich um zwei; ein zweistöckiges Wohnhaus, sowie einen größeren Stall. Es gab einen Innenhof, der von einer zwei Meter hohen Mauer umgeben war, in diesem standen ein halbes Dutzend Wagen. Der Trupp Soldaten bestand aus Pionieren der cygnarischen Armee und bewegte sich rasch und gezielt auf die Rückseite des Gebäudekomplex zu. Der Leutnant des Trupps hatte die Anweisung erhalten, dieses Vorratslager auszuspähen. Nachdem sie den Komplex etwa zwei Stunden observiert hatten, hatte der Leutnant entschieden, dass hier eine günstige Gelegenheit vorlag, den religiösen Fanatikern einen empfindlichen Schlag zu verpassen. Die Pioniere schlugen einen weiten Bogen um die Gebäude, so dass die drei Wachen am Fronteingang sie nicht bemerkten. Diese waren offensichtlich Wächters des Tempels der Flamme, wie an ihren großen, ovalen Schilden mit kunstvoll verzierten Symbolen Menoth und den signifikanten Speeren unschwer zu erkennen war. Von der Rückseite und der von der Front abgewandten Seite näherten sich die Männer bis auf dreißig Meter den Gebäuden. Von ihrer Position aus hörten sie Gebetsgesänge aus dem Hauptgebäude herausklingen. Oben auf dem Hauptgebäude hielt ein einzelner menithischer Gläubiger Wache. Der Leutnant schickte zwei seiner Männer vor, die, als der Wachposten auf dem Haupthaus von mehreren entfernten Schüssen abgelenkt war, die Entfernung rasch überwanden. Die Männer kletterten geschickt an dem Gebäude hoch und überraschten den Wachposten völlig. Es fiel kein Schuss, nur das kurze Aufblinken eines Signalspiegels tat kund von der Tat. Die zehn Männer eilten zur Rückwand. Und kletterten in den Hof, dort suchten sie sofort zwischen den Kisten und Wagen Deckung und sicherten den Hof gegenüber dem Wohnhaus und dem Tor ab. Im Innenhof standen ein gutes Dutzend Wagen beladen mit Fässern und Tanks. Der Leutnant zog tief die Luft ein, als er sah, auf was für ein Pulverfass sein Trupp grade gestoßen war. Aus dem Inneren des Wohnhaus hörte man immer noch Gebetsgesänge. Er befahl zwei Männern, das Außentor, auf dessen anderer Seite die drei Wachen standen, im Auge zu behalten. Zwei weiteren Männern befahl er, die mitgebrachten Sprengsätze auf die Wagen zu verteilen. Mit dem Rest seiner Leute rückte er zum Wohnhaus vor. Das Gebäude hatte im Erdgeschoss nur kleine, sehr hoch gelegene Fenster. Unsicher wie er vorgehen sollte, überlegte der Leutnant kurz. Dann beschloss er, das Gebäude zu stürmen. Die beiden vordersten Pioniere trugen schwerkalibrige, kurze Schrottflinten. Die Eingangstür wurde aufgebrochen und die Männer drangen in das Gebäude hinein. Nach einem kurzen Moment verstummte der Gesang aus dem Inneren und es waren Schüsse zu hören. Als darauf hin die drei Tempelflammenwächter vor dem Tor in den Innenhof stürmten, wurden sie von den zwei abgestellten Pionieren mit einem Kugelhagel eingedeckt, der einen von ihnen sofort niederstreckte und die anderen beidem zum Rückzug zwang. Kurz war es still im Gebäude, dann wurde wieder geschossen und es folgten Schreie. Der Sergeant und drei der Pioniere kamen herausgehetzt und warfen eiligst Granaten in den Eingang hinter sich. „Anzünden!“, brüllte er die beiden Männer an, die grade die Schnüre für die Ladungen bereit machten. Die beiden Männer wollten protestieren, ein lauter Schmerzensschrei aus dem Gebäude, welcher abrupt abriss, belehrte sie eines Besseren.
Die Lunten waren zu kurz. Die Pioniere hatten noch keine dreißig Meter zwischen sich und das Vorratslager gebracht, als die Sprengladungen zündeten und das leicht entflammbare Öl aus den Fässern und Tanks der Wagen verteilten. Nur eine Sekunde später entzündete sich ein gewaltiger Feuerball. Der Gebäudekomplex verschwand im Feuer. Der Leutnant und drei Mann seines Trupps entkamen dem Inferno.

Als er mit dem Trupp zurückgekehrt war und Meldung bei seinem vorgesetzten Major gemacht hatte, hatte diese ihn mit einem bitteren Lächeln angeschaut: „Ah, der Mann, der das größte Feuerwerk der Woche abgebrannt hat. Leutnant, darf ich Ihnen einen Schnaps anbieten? Um Ihren Orden kümmern wir uns morgen!“
In den darauf folgenden Nächten hatte er nicht geschlafen. Immer wieder war er schweißgebadet aufgewacht, mit dem Bild jener vor Augen, die zu langsam gelaufen waren, jener die im Feuer verbrannt waren, jener die er zurückgelassen hatte und die ihm zuriefen: „Ihre Befehle Leutnant! Es waren Ihre Befehle!“
Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit hatte er die cygnarische Armee verlassen. Er war zum Deserteur geworden. Der Hund des Trupps hatte ihn begleitet.

 

Das Feuer knisterte und ein paar Funken stiegen in den Himmel, als ein Holzscheit in ihm zerbrach. Zwei Jahre war es her, dachte der Mann. Er hatte hier im Sumpf zurückgezogen gelebt. Im Großen und Ganzen hatte er hier seine Ruhe gehabt. Aber war es richtig gewesen, hierher zu kommen? War er damit zufrieden, hier alt zu werden? Er wusste es nicht, erst mal morgen überstehen dachte er, erst mal morgen überstehen. Er nahm noch einen Schluck und ging dann in die Hütte. Ein gequältes Winseln war aus der Hütte zu hören. Vor der Hütte blieben nur noch der Erdhaufen und das weiße Krokodil zurück, neben einem erlöschenden Feuer.

Gelesen 509 mal Letzte Änderung am Dienstag, 31 Juli 2018 22:04
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