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Mittwoch, 18 Juli 2018 21:06

WriteUp! "Spätfolgen" von Martina

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Ein wenig verspätet, aber hier kommt sie dennoch: die nächste Kurzgeschichte aus der ersten Runde des Soldurii WriteUp!

Dieses Mal bekommt ihr die Geschichte von Martina zum Thema "Spätfolgen" vorgeworfen. Inhaltlich hat sie uns sehr gefallen, wir haben noch eine ganze Weile darüber diskutiert, wie das denn ist mit Satinav und den Elfen und überhaupt. Stilistisch ist sie durch die stark geraffte Erzählweise etwas eigenwillig, dennoch fanden wir sie spannend und kurzweilig zu lesen. Es hätte noch ein kleines bisschen mehr Atmosphäre aufkommen können, selbst bei diesem Erzähltempo - aber ich gebe gern zu, dass das Jammern auf ziemlich hohem Niveau ist. Ein paar in meinem Ohren recht seltsame Formulierungen waren dabei (die sind auch immer noch da - ich korrigiere nur Rechtschreibung und Zeichensetzung für den Blog) und ein paar Kommafehler, aber alles in allem hatte ich nicht viel zu tun und die Jury hat frohen Herzens insgesamt 13 Sterne vergeben (Inhalt 5, Stil 4, Form 4).

Da ich das vor lauter Überschwang neulich vergessen habe, verrate ich natürlich auch noch, wie genau der Gewinner abgeschnitten hat. Tyärk hat von uns 14 Sterne bekommen, 5 für den Inhalt, 5 für den Stil und "nur" 4 für die Form.

Jetzt aber los, leset, meine Kinderlein!

 

Spätfolgen (Martina)

Satinav war auf seinem Schiff gefangen, dazu verdammt über den Fluss der Zeit zu wachen und die Fäden wie Schiffstaue in Händen zu halten. Jeder Eingriff in sein Refugium brach einen Sturm los und manchmal bediente er sich einfacher Zweibeiner, um die Geschichte Aventuriens wieder ins rechte Lot zu bringen. Seine Töchter Ymra und Fatas standen ihm zur Seite und betrachteten Vergangenheit und Zukunft. Durch ihre Schleier sah er auf das Schicksal Deres und wenn sie tanzten, gerieten ihre Schleier gerne einmal durcheinander. Dieses Mal brachten sie das Leben einer Schiffsbesatzung durcheinander, als diese auf einer Insel ihre eigenen gealterten Körper in gläsernen Särgen fanden, dort schlafend seit mehreren hundert Jahren.

Die Zweibeiner begaben sich auf die Suche nach ihrem Schicksal und suchten einen Satinav-Tempel auf, um Klarheit zu bekommen. Normalerweise hielt sich Satinav zurück, doch eine Elfe folgte den verschlungenen Wegen und gelangte auf sein Schiff. Ihre Geschichte war ihm wichtig, denn sie hatte aufgrund ihres elfischen Wesens keinen Bezug zu der Zeit, wie die Menschen. Fehinleya war ihr Name und sie war die Steuerfrau auf dem Segelschiff, das sich Unsinkbar II nannte. Sie wechselten nicht viele Worte, aber ihr wurde in der Begegnung klar, dass große Mächte im Spiel waren und ihre Taten eine Wichtigkeit bekamen, die sie zuvor nicht geahnt hatte.

Den Menschen gegenüber war Fehinleya immer recht gleichgültig gewesen und nur die Seefahrt war ihr wichtig. Sie liebte den Wind und das Meer, da die Elfenvölker jedoch nicht mehr zu den Seefahrern gehörten, war sie auf die Menschen angewiesen. Sie hatte mit der Zeit gelernt, auf den Schiffen bestimmte Dienste zu verrichten, und mit ihren Veranlagungen hatte sie den Weg zum Steuermann und Navigator eingeschlagen. Nach dem Fund ihrer Glassärge hatte Fehinleya verstanden, dass ihr Schicksal mit dem der anderen verbunden war, doch es gab noch mehr.

In Al’Anfa, einer Stadt, die sowohl als Perle als auch als Pestbeule bezeichnet wird, lernte Fehinleya einen Rahjageweihten kennen. Sie mochte die Tempel mit den schönen Gärten, den wohlriechenden Bädern, in ansonsten nach Menschen stinkenden Städten. Dieser Mann verstand etwas von Musik und sie spielten und sangen gemeinsam und vergnügten sich. Sie hatte ihn schon wieder völlig vergessen, bis sie Monate später auf dem Meer wieder auf ihn traf. Eine magische Gegnerin der Gruppe hatte zu jedem Gruppenmitglied eine passende Person mit Bindung entführt. Sie führte ein dunkles Ritual durch und wollte die Schiffsmannschaft so besiegen. Fehinleya legte bereits einen Pfeil auf die Sehne ihres Bogens. - Erpressen lassen wollte sie sich nicht. - Sie hätte ohne zu zögern den Rahjageweihten erschossen. Ihr Kapitän jedoch verbot diese Aktion. Mit viel Glück konnten die Geiseln befreit werden, jedoch fielen sie in einen tiefen Schlaf. Jede Geisel hatte eine besondere Verbindung, es waren die Schwester des Geschützmeisters, die Ziehtochter des Kapitäns, die Mutter des Schamanen, die Mutter der Kristallomantin und die Ehefrau des Stammeskriegers. Fehinleyas Gegenpart jedoch, der Rahjageweihte, passte nicht ins Bild.

Mit Hilfe von Ritualen der Boronkirche konnte die Gruppe um Fehinleya in die Traumwelten der Menschen gelangen und sie aus ihrem Gedankengefängnis befreien. Der Rahjageweihte war in seiner Kindheit gefangen. Er lebte zusammen mit seiner Schwester auf der Straße und ging täglich in den Tempel, um eine kostenfreie Mahlzeit zu erlangen, nicht immer gelangten sie rechtzeitig dorthin und die Schwester schwächelte offensichtlich, dennoch war sie ein sehr lebensbejahendes Kind mit großer Begeisterungsfreude. Sie wurde schwächer, einen Heiler konnten sich die beiden nicht leisten und niemand, den sie um Hilfe baten, konnte oder wollte helfen. Dann war der Junge allein. Adian hatte alle Hoffnung verloren, war wütend und aggressiv. Fehinleya war aufgerufen, etwas zu tun, die Kameraden schickten sie los, sie müsse dem Jungen jetzt helfen. Zuerst etwas ratlos und überfordert näherte sie sich dem Jungen. Bisher als stille Beobachterin, konnte er sie anscheinend jetzt sehen und hören. Seine Augen weiteten sich vor Überraschung und Bewunderung, gleichzeitig waren sie von Trauer feucht und glasig. Er hatte wohl bis dahin noch keine Elfe gesehen, ihre grazile Gestalt, das wohlgeformte Gesicht mit den großen Augen schienen ihn zu beeindrucken. Sie führte ein Gespräch mit ihm, die genauen Worte waren dabei viel vom Isdira durchzogen, aber die für ihn wichtige Aussage brachte sie ihm näher. Sie sprach von Nurti und Zerzal, dem Prinzip vom Verlauf der Welt, vom Leben und dem Tod. Nach der Weltsicht, wie sie sie gelernt hatte, ging ein Wesen ins Licht, wenn es seine Lebensaufgabe getan hatte. Dazu gehört entweder der Tod durch Schwäche, weil die Aufgabe erfüllt war, oder der Tod durch ein anderes Wesen, um dessen Fortleben zu sichern. Nun war dieses kleine Mädchen ins Licht gegangen und hatte ihrem Bruder eine Aufgabe hinterlassen. Er sollte sich ihr kindliches Gemüt ins Gedächtnis rufen und den Menschen Freude bringen, das war es, was sie hinterlassen hatte. Während dieses Gesprächs entwickelte sich ein Band zwischen Fehinleya und Adian. In diesen Augenblicken wurde ihr schlagartig bewusst, wie viel sie für ihn bedeutete. Sie spürte, wie sich ihre Worte in seinem Herzen manifestierten und gleichzeitig spürte sie ihre Verantwortung für ihn.

Mit ihrer Ansprache brachte sie das Schiff Satinavs wieder auf den richtigen Kurs und konnte Adian aus seinem Gedankengefängnis befreien. Nach und nach befreite die Gruppe auch die anderen Angehörigen, doch Fehinleya blieb nachdenklich. Sie spürte tief in sich hinein und entdeckte Gefühle, die sie nicht erwartet hatte. Es ging über alles hinaus, was sie bisher empfunden hatte. Sie verbrachte viel Zeit mit Adian, lernte ihn besser kennen und sie sprachen über all die Geschehnisse der Vergangenheit. Ihre Zuneigung war offensichtlich und die zarte Verbindung zwischen den beiden war bedroht von dem, was noch kommen sollte. Es war offensichtlich, dass ein Ereignis bevor stand, dass die Gruppe, die in den Glassärgen lag, in die Vergangenheit musste. In all den Gesprächen war es jedoch nie um ihre oder seine konkreten Gefühle gegangen, es waren nur Ahnungen und Vermutungen. Kurzentschlossen ließ Fehinleya zu, dass aus ihrem Liebesspiel ein gemeinsames Kind entstehen konnte. Sie dachte daran, dass so ihre Liebe fortbestehen würde, auch wenn einer von beiden ins Licht gehen würde. Jedoch kam sie nicht dazu, mit ihm darüber zu reden, erst als sie schwanger war, wurde sie sich dieses Versäumnisses bewusst. Die Ereignisse überschlugen sich und Fehinleya landete mit ihrer Gruppe in der Vergangenheit.

Die Pläne von Ymra und Fatas gingen einen Schritt weiter. Sie schickten Adian an ihre Seite, ebenfalls in die Vergangenheit. Gemeinsam mit weiteren Angehörigen rettete er die Gruppe um Fehinleya aus der Sklaverei. Die Zeitreisenden versuchten sich in der deutlich veränderten Welt zurechtzufinden. Al’Anfa wirkte einerseits verändert, aber irgendwie immer noch gleich. Die gesellschaftliche Struktur war ebenfalls von Sklaverei geprägt, aber die Mächtigen waren jetzt die späteren Sklaven. Adian wirkte sehr unglücklich, da seine Gottheit hier keine Verehrung kannte. Fehinleya wartete auf eine passende Gelegenheit, um sich mit ihm zurückzuziehen und das längst fällige Gespräch zu führen, doch ihre Wege trennten sich wieder. Mit einigen Gefährten war Fehinleya in einer Parallelwelt gefangen und es dauerte mehrere Monate, sich aus dieser zu befreien und den Weg zu den Anderen zurückzufinden, die derweil die Stadt verlassen hatten.

Als sie erneut aufeinander trafen, wirkte Adian seltsam verändert. Er hatte sich offensichtlich starke Sorgen um sie gemacht, aber da war noch mehr. Fehinleya war immer auf sich selbst fixiert und hatte bisher nie darüber nachgedacht, welchen Einfluss ihre Taten auf andere haben könnten. Gemeinsam zogen sie sich an einen stillen Ort zurück und wollten ihre Aussprache beginnen. Noch bevor sie etwas anderes sagen konnte, bemerkte Fehinleya, dass seine Tätowierung seltsam verändert war. Die wunderschöne Rose, das Symbol seiner Göttin, wirkte blass und verwelkt. Auf ihre Nachfrage hin gab er zu verstehen, dass er sich von seiner Göttin abgewandt hatte. Das erschreckende Gefühl, dass sich auf diese Offenbarung in Fehinleya ausbreitete, brachte sie zum wanken. Sie fühlte eine nie gekannte Schuld und gleichzeitig Angst. Doch dann erklärte er, dass seine Gefühle für Fehinleya so stark geworden waren, dass er sein Herz nicht mehr der Göttin sondern ihr schenken würde und damit könnte er seinen Geweihtenstatus nicht mehr halten. Sie brauchte eine Weile, um das zu verstehen, und als sie die Worte wiederfand, brachte sie ihn zum Wanken. Sie präsentierte ihm ihre Schwangerschaft, die ihm eigentlich nicht entgangen sein konnte. Er reagierte gekränkt und beglückwünschte sie und den vermeintlich unbekannten Erzeuger. Als guter Rahjageweihter war er stets darauf bedacht, eine Schwangerschaft zu verhindern, und so konnte er nicht glauben, dass es sein Kind war. Erst als auch Fehinleya ihm ihre Liebe gestand und versichern konnte, dass er der Miterzeuger dieses Kindes war, sie seine Bemühungen sabotiert hatte, kannte sein Glück keine Grenzen. Ihre Herzen waren von nun an verbunden, und sie verbrachten eine intensive Zeit der Zweisamkeit. Sie brauchten seither nicht viele Worte, um einander zu verstehen. Fehinleya konnte sich sicher sein, dass ihre Entscheidung, ein Kind zu zeugen, die richtige war.

Zumindest für den Moment war das Leben voll von positiven Gefühlen, aber Satinavs Schiff segelt weiter und es schwimmen noch viele Gefahren auf dem Kurs der Unsinkbar II.

 

Worterklärungen (nicht ganz umfassend, aber für den Zweck modifiziert) für Nicht-DSAler:

  • Satinav: mächtige Entität als Wächter der Zeit gefangen
  • Ymra: Vergangenheit
  • Fatas: Zukunft
  • Dere: ein systemeigenes Wort für die Welt
  • Elfen: eine alte, grundsätzlich magiebegabte Rasse von Zweibeinern, die zwar alterslos sind und die Gabe besitzen, ihre Empfängnis selbst zu bestimmen, aber immer weniger werden auf dem Kontinent, die Kultur ist für Menschen oft missverständlich und andersartig, Menschen werden häufig als minderwertig betrachtet und Elfen wirken daher schnell als arrogant
  • Al’Anfa: Stadt im Süden des Kontinents, eine Kolonialmacht mit großem Standesgefälle und Sklaverei
  • Rahja: von den Menschen verehrte Göttin der Lust, der Ekstase und des Rauschs, des Weins und der Pferde, der Schönheit und der Liebe
  • Geweihte: Priester der Götter, sind besonderen Verhaltenskodizes unterworfen und erhalten karamale Kraft durch ihre Gottheit und können damit Wunder wirken
  • Kristallomant: magiebegabter Zauberer des Echsenvolkes
  • Boron: von den Menschen verehrter Gott des Todes, des Schlafes und der Träume
  • Isdira: melodische Sprache der Elfen, die diese zweistimmig sprechen bzw. singen
  • Nurti: von den Elfen verehrte Göttin des Lebens
  • Zerzal: von den Elfen verehrte Göttin des Krieges, des Kampfes, der Jagd und des Todes
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