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Mittwoch, 23 Mai 2018 17:31

Database

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Die nächste Kurzgeschichte findet ihren Weg auf die Website. Der Orden hat auch dieses Mal seine Finger im Spiel.

Eine junge Frau im dunkelblauen Kleid ging vor einem weißen Hintergrund auf den Zuschauer zu. „Ich möchte Ihnen die neue Version von Database vorstellen. Zusätzlich zu den bisherigen Features der vollständigen Katalogisierung von Gesundheitsdaten, Vorstrafenregister und Kontaktdaten bieten wir nun die Möglichkeit die Fähigkeiten von jedem Menschen auf der Welt zu erfassen. Die Daten müssen nicht in mühseliger Arbeit einzeln angelegt werden. Ein simples Scannen des B – Chips reicht vollkommen aus. Die Daten können sich wie ein herkömmlicher Lebenslauf angezeigt werden aber wir bieten auch die Option zur Personalisierung der Anzeige. Sie wollen, dass Ihnen Fähigkeiten in Form des Menüs von Unbound Soul angezeigt werden? Kein Problem. Ihren Wünschen sind keine Grenzen gesetzt. Stolz kann ich Ihnen mitteilen, dass der Vereinigte Westen dieses neue Feature bereits installiert und erfolgreich nutzt. Nie me...“


Abrupt brach die Werbung ab, als Ken die AR -Anzeige mit einer wegwerfenden Bewegung nach rechts schloss. Er wusste, welcher Part jetzt kommen würde. Unzählige Male hatte der junge Mann die Anzeige schon gesehen. Die Firmen würden zu einem kommen, ohne dass man Bewerbungen schreiben musste. Die lästige Arbeit war nicht mehr nötig. Unternehmen gaben Wunschvorstellung in die Suchoption von Database ein und kontaktierten alle, die diese erfüllten. Eine großartige Entwicklung. Doch was war, wenn sich niemand bei einem meldete. Als es relevant gewesen war, hatte Ken die Notwendigkeit nicht gesehen, auf ein gutes Profil hinzuarbeiten. Als er sich endlich aufraffen konnte, um etwas daran zu ändern, hatte er kein Database – Profil mehr. Das passierte, wenn es keine Updates gab. Für die Software galt man als tot. Ironischerweise wurde das Profil wieder aktiviert, wenn man wirklich starb, denn dann gab es ein Update. Anders gab es die Möglichkeit der Reaktivierung nicht oder besser gesagt, zumindest nicht offiziell. Ken lächelte und mit einer kreisenden Bewegung seiner rechten Hand öffnete er seinen Arbeitsmodus in der AR. Er konnte nicht nur Profile reaktivieren, sondern auch jedes Profil anpassen. Ihm waren keine Grenzen gesetzt. Bandscheibenvorfall, tot oder plötzlich ein Vergewaltiger? Master of Engineering, gesundes Herz oder Profisportler? Ken erschuf Chancen für Menschen. Was diese Menschen daraus machten, war ihnen überlassen. Manchmal zerstörte er auch Leben. Doch das tat er nur wenn Menschen es wirklich verdienten, so wie der Politiker vor 3 Wochen. Das Verfahren war auf Grund von Aufmerksamkeiten an den richtigen Stellen eingestellt worden. Was machte der Hacker? Er stellte eine stichfeste Akte für einen fiktiven Prozess zusammen und machte den entsprechenden Eintrag. Die eingesetzten Richter und Anwälte waren natürlich wirklich tot. Einen Tag später trat der Politiker den Rücktritt an.
Eine neue Nachricht tauchte auf. Sie war wichtig, denn sie öffnete sich von selbst in der AR im zentralen Blickfeld. „Sie ist also tot“, dachte der Hacker, „wie praktisch.“ Er schloss das Profil, dass er gerade bearbeitete und verfasste schnell eine Antwort. Seine Finger flogen über die projizierte Tastatur. Ken fragte nach neuen Anweisungen. Sollte er keine bekommen, würde er sich einem neuen Kunden widmen. Der Junge von der anderen Straßenseite hatte einen Eintrag über einen Unfall, der seine sportliche Karriere unmöglich machte. Dieser sollte gelöscht werden, denn er war vollständig genesen. Die Bezahlung, die die Familie des Jungen aufbringen konnte, war den Aufwand eigentlich nicht wert aber der Junge hatte es wirklich drauf. Ohne Probleme würde er mit Menschen ohne Eintrag mithalten können.


Da kam die Antwort. Ken sollte ein Profil wieder aktivieren. Er stutzte kurz, als er den Namen sah: Kaede Uchiro. Hatte er nicht noch vorher an dem Profil eine Kaede Fujuki arbeiten sollen? Bestimmt nur ein Zufall. Mit wenigen Klicks öffnete er das gewünschte Profil. Aus reiner Neugier überflog er es. Doch kein Zufall. Da stand es rot auf schwarz. Kaede Uchiro hatte zwei Kinder gehabt. Beide waren jetzt verstorben – eine davon gestern. Der Hacker zuckte mit den Schultern. Ihm konnte es egal sein. Wenige Gesten später war der Mann wieder im Register zu finden. Sein Profil war nur auf Grund von Inaktivität gelöscht worden. Doch etwas ließ Ken nicht los. Er verglich die Profile von Vater und Tochter und verlor sich fast in den Nachforschungen, als plötzlich eine weitere Nachricht seine Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Aus dem nichts war sie aufgetaucht. Der Absender war ihm unbekannt. Sofort aktivierte Ken seine manuelle Verteidigung und das Layout der AR veränderte sich in das Innere eines Raumjägers. Außerhalb des Cockpits materialisierte sich das All. „Komm nur“, schoss es ihm durch den Kopf. Soweit war schon lange niemand mehr gekommen. Adrenalin strömte durch seine Adern. War ihm jemand auf die Schliche gekommen? Wo hatte er einen Fehler begangen? Zäh flossen die Sekunden dahin und der junge Hacker schaute sich nervös nach Angreifern um. Nichts passierte. Er wollte gerade den Scanprozess starten, als ein asiatischer Drache sich langsam schlängelnd auf ihn zubewegte. Der Finger war schon am Abzug, als der „Gegner“ sprach: „Ich möchte mich für Ihre hervorragende Arbeit bedanken. Wir haben 20 000 Dollar auf Ihre Konten überwiesen.“ Ohne den Drachen aus den Augen zu lassen und den Finger immer noch am Abzug, öffnete er seine Kontenübersicht. Es stimmte. 20 000 Neodollar waren eingegangen. Ken wollte sich gerade bedanken, als der Drache sich ruhig umdrehte und davon glitt. Nervös blieb er in seinem Cockpit sitzen. Wer hatte den Drachen geschickt und wie hatte er seine Nachrichtenfilter umgangen? Der Hacker vergaß die Zeit und als er endlich den Abwehrmodus schloss, waren fast drei Stunden vergangen. Die AR wurde geschlossen und der junge Mann sackte in seinem Stuhl zusammen. Kurz danach brach er in schallendes Gelächter aus. Schnell aktualisierte er das Profil des Sportlers. Morgen würde er seine automatische Abwehr überarbeiten müssen aber jetzt nahm er sich erstmal komplett vom Netz. Ken legte selbst die Sicherungen um, nachdem er geprüft hatte, ob der Generator noch genügend Treibstoff hatte. Danach schnappte er sich seine Jacke und ging in das kleine Café im Erdgeschoss.

Gelesen 682 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 23 Mai 2018 21:25
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