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Dienstag, 22 Mai 2018 14:51

Chronik von Martje

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An dieser Stelle möchte ich berichten über meinen Charakter in unserer Vampire-Runde, die die Weggefährtenchronik spielt.

Für die Ingame - Optik habe ich mich an dem Model Obsidian Kerttu orientiert.

Wenn man verschiedene Menschen zu Lavea Martje Bartelsen befragen würde:
Wer sind Sie? Woher kennen Sie Martje? Was können Sie über sie erzählen?
Ingeborg Matthies, Rentnerin aus Husum. Die kleine Martje kam am Abend des 23. April 1983 zusammen mit ihren 3 älteren Geschwistern in unsere Obhut. Das weiß ich noch ziemlich gut, denn das Kind sang die ganze Zeit dieses französische Lied aus dem Grand Prix Eurovision de la Chanson, das hieß „Si la vie est cadeau“. Damals habe ich noch als Pflegemutter Kinder aufgenommen, die vom Jugendamt kurzfristig untergebracht werden mussten. Die Geschwister waren aus einer dieser „Kommunen“ gekommen, angeblich sollen da alle nackig rumgelaufen sein. Es graust mir geradezu davor, was den Kindern wohl alles angetan wurde. Auf jeden Fall waren sie sehr verstört, verträumt geradezu und nicht ganz normal. Wir haben schnell die Empfehlung gegeben die Geschwister zu trennen, da sie eine eigene Sprache entwickelt hatten und auch sonst kaum mit der Umwelt interagieren wollten. Was aus ihr geworden ist? Keine Ahnung, ich war froh, dass wir die 4 schnell wieder loswerden konnten. Die Kleine war gruselig, sie hat ständig von und angeblich auch mit Geistern gesprochen. Am Ende hatte ich Angst, die würden uns die Bude abfackeln.
Wer sind Sie? Woher kennen Sie Martje? Was können Sie über sie erzählen?
Mein Name ist Sebastian Timm, ich bin in der hamburger Justizbehörde für den Bereich Straf-, Jugendstraf- und Jugendvollzugsrecht zuständig. In den 80er Jahren habe ich im Rauhen Haus studiert und als Sozialarbeiter und Diakon in den Kinderwohngruppen gearbeitet. Martje kam 1983 zu uns nach Hamburg. Ich war als Leiter ihrer Wohngruppe für sie zuständig. Sie war ein sehr introvertiertes Kind, dass erst nach und nach Vertrauen fassen konnte. Sie fand aber schnell Anschluss an die anderen Kinder, insbesondere zu Julia Sauer, Klaus Böge und Wolfgang Reinke. Das Quartett war nicht einfach. Sie wurden schnell zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Sie sind häufig als Schulschwänzer aufgefallen und haben auch immer wieder Schwierigkeiten mit der Polizei gehabt, da waren kleine Delikte wie Ladendiebstahl, Platzverweise oder Beamtenbeleidigungen. Sie hatte immer eine starke Persönlichkeit, auch wenn die Traumata aus früher Kindheit ihre Seele angegriffen hatten. Sie zog sich immer wieder auch alleine zurück und hatte einen Hang zur Esoterik und zum Okkultismus. Sie befasste sich mit Pendeln, Gläserrücken und lief in schwarzen Klamotten rum. Auch als ich schon aus dem Erziehungsdienst ausgeschieden war, stand ich noch mit ihr in regem Kontakt, vermutlich war ich immer so etwas wie ein großer Bruder, so nannte man mich damals auch Bruder Timm. Ich hatte ihr 1994 noch einmal geholfen einen Ausbildungsplatz als Assistentin bei einer befreundeten Ärztin zu bekommen. Dann hatte ich sie länger aus den Augen verloren, bis sie dann Neujahr 2000 an meiner Wohnungstür stand. Verheult erzählte sie mir, wie sich ihre beste Freundin Julia am Tag zuvor den goldenen Schuss gesetzt hatte. Ein paar Wochen wohnte sie bei mir, dann hatte sie einen Plan für ihr Leben. Zum Abschied hat sie mir 500 Mark geklaut und war verschwunden, es lag noch ein Zettel auf dem Tisch mit nur einem Wort „Danke“ darauf. 2012 kam sie wohl zurück nach Hamburg. Auf jeden Fall hat sie mir ein Dankesschreiben geschickt, hat mir deutlich gemacht wie wichtig und gut meine Ratschläge für sie waren und dazu lagen im Umschlag 500 Euro, mit einem Augenzwinkern dankte sie für den Kredit. Ich weiß sie betreibt eine Kneipe im Schanzenviertel, zu Silvester muss ich regelmäßig an sie denken.
Wer sind Sie? Woher kennen Sie Martje? Was können Sie über sie erzählen?
Rabea Wagenhalt, Yogalehrerin und Medizinstudentin. Martje? Ach Sie meinen Lavea. Sie ist eine Inspiration, eine inspirierende Person, mit heilender Aura. Lavea wurde am 13.11.1977 in Husum geboren, können Sie das glauben? Sie sieht noch gar nicht aus wie 40. Sie ist eben ein echtes Sonntagskind, auch wenn es Volkstrauertag war. Sie ist Skorpion und sie wissen ja was man über Skorpion-Frauen sagt: Aufgeben ist keine Option, Ausdauer und Willenskraft sind ihre Stärken, genauso wie der analytische Durchblick. Laut dem chinesischen Kalender ist sie eine Feuerschlange, also leidenschaftlich, kämpferisch und selbstbewusst. 2015 haben wir gemeinsam angefangen Medizin zu studieren. Ich bin neidisch auf das, was sie alles schon erlebt hat. Sie hat mir von ihren Reisen erzählt, sie war in Indien, in Südafrika, in Lateinamerika und auch bei den Sioux. Sie hat sich mit Schamanen auf Geistreisen begeben und ihren Geist erweitert. Tragisch, dass sie das Studium geschmissen hat, aber ich kann es versehen, es ist Karma. Käthe war ihre Freundin, also Käthe war eine Transe und hieß wohl mal Klaus, aber so etwas war Lavea schon immer egal. Sie verurteilt Menschen nie, sie nimmt jeden so wie er ist. Käthe gehörte das „mutter“, Sie kennen den Club im Schanzenviertel? Auf jeden Fall hat sie ihn schon seit Jahren mit geleitet und nun ist Käthe am 17.12. letztes Jahr gestorben. Käthe hatte Aids und war wohl der Antrieb für das Studium. Jetzt kümmert sie sich um den Club, ich sollte sie mal wieder besuchen, vielleicht können wir mal wieder eine Szeance abhalten, ich habe da noch ein paar Fragen an mein früheres Leben. Ich verstehe gar nicht, warum sie mich nicht mehr anruft?
Wer sind Sie? Woher kennen Sie Martje? Was können Sie über sie erzählen?
Was geht Sie das an? Ich bin Wolfgang, Wolfgang Reinke. Martje ist meine Freundin, lassen Sie sie in Ruhe! Ich kann unangenehm werden! Wir sind zusammen aufgewachsen. Sie war die Einzige, die mich im Schmerzen aushalten schlagen konnte. Sie hat eine harte Schale und einen sehr verletzlichen Kern. Ich beschütze sie wo ich kann. Sie macht gerade eine schwere Phase durch. Sie war schon immer mehr eine Person der Nacht. Belästigen Sie sie nicht bei Tag.

Alles beginnt am 7. März, ein normaler Mittwochabend, im "mutter" ist Ladys Night mit Happy Hour. Ich lerne eine interessante Frau kennen, sie ist neu in der Stadt, hat aber den Weg in meinen Laden gefunden, das macht sie sympathisch. Wir sprechen über Tod, Geister, Schmerz und Verlust. Sie ist auf merkwürdige Weise spannend und anziehend zugleich. Als spät in der Nacht nur noch wenige Gäste anwesend sind, merke ich dass sie immer noch da ist. Ich versuche die anderen Gäste loszuwerden, die zwei Junggesellen scheinen etwas zu trinkfest zu sein. Ich will eigentlich noch mal mit ihr sprechen, daher bin ich erst etwas enttäuscht, dass sie am Ende so einfach verschwunden scheint. Es war wohl doch reichlich spät und aufgrund der ständigen Déjà-vu Erlebnisse entscheide ich mich für einen Spaziergangsjoint auf dem Heimweg. Ich hänge meinen trübsinnigen Gedanken nach und sei es durch ihre Anregungen oder aufgrund der Wohnungsauflösungsaktion in den letzten Tagen kreisen meine Gedanken um Käthe, um Krankheit und Tod, um Heilmittel, Forschung und Zeit. Zuerst denke ich, es gibt wieder eine Erscheinung, eine Geistererscheinung in meiner Wohnung, doch die Frau aus dem mutter ist bei mir auf dem Sofa. Ich trinke die angebrochene Flasche Wein und wir unterhalten uns. Sie unterbreitet mir ein Angebot, dass ich kurzerhand annehme. Einen Tag später und vermutlich doch irgendwie nüchterner, denke ich kurz darüber nach, warum ich so leichtfertig war. Jedoch bereue ich nicht, ich bin jetzt ein Vampir. Ich weiß nicht wer die Frau war und was nach unserer Umarmung wirklich passiert ist, aber ist das noch wichtig? Ist überhaupt noch etwas wichtig, was mich früher beschäftigt hat? Am nächsten Abend, also am 8. März erwache ich, ich denke erst an einen halluzinogenen Trip, aber es ist passiert. Ich finde diverse Blutspuren und kann mich mit Mühe an Bruchstücke erinnern. Ich kontaktiere Wolfgang, ich glaube ich habe ihn letzte Nacht noch getroffen, auf meine Nachfrage antwortet er lapidar, dass es eine wahnsinns Nacht war, was so ziemlich alles bedeuten kann. Ich entscheide ins Büro zu gehen, dort recherchiere ich so gut es geht über Vampirismus. Später erfahre ich von der Masquerade, kein Wunder, dass ich nichts finden konnte. Mich besucht meine Mentorin, Mellory Norwood, sie wurde von der Frau letzte Nacht beauftragt, auf mich aufzupassen, für die nächsten Jahre. Sie ist nicht begeistert, denn es gab keine Erlaubnis mich zu erschaffen. Ich bin erst mal etwas überfordert und stelle nur ein paar unwichtige Fragen. Sie deutet an, dass ich letzte Nacht wohl auf Wolfgang losgegangen bin, er es aber dank beherzten Eingreifens seitens meiner Erzeugerin doch ganz gut überlebt hat. Ich lerne einiges, was es im Internet nicht zu lesen gibt und bekomme den Rat mich erst mal bedeckt zu halten, bis sie einiges geregelt hat. Nun sitze ich also da, mit meinem Unleben und frage mich auf was ich mich da wohl eingelassen habe. Tausend Fragen tauchen langsam auf und gleichzeitig erscheint mir vieles so unwichtig, so nutzlos, so überflüssig. Eine neue Welt gilt es zu entdecken, ach was sag ich, zu erobern! Morgen ist auch noch eine Nacht, beginnen wir morgen...

Kaum bin ich Vampir, schon habe ich ein anderes Gefühl für die Zeit. Mellory sagte, ich solle mich erst mal bedeckt halten und im Hintergrund. Kaum dass der 9. Abend im Monat März begonnen hat steht sie schon vor meinem Büro und hat Neuigkeiten für mich. Nicht nur Neuigkeiten, sie hat ein Treffen organisiert, sie möchte mich der Prinzessin von Hamburg vorstellen. Ich lasse mir ein wenig die Hierarchie erklären, während wir auf dem Weg zum Fernsehturm sind. Prinzessin Vorental Starbright residiert also dort oben, kein Wunder, dass die Menschen den nicht mehr betreten dürfen. Wir fahren mit dem Fahrstuhl nach oben, nach ganz oben. Ich erinnere mich kurz einen Ausflug, den Käthe, Wolfgang und ich mal gemacht hatten. Wir hatten Schule geschwänzt und uns Hamburg von oben angeschaut und von einer anderen Zukunft geträumt. Ich sehe Käthes Gesicht vor mir, als wäre es gestern gewesen. Sein - Ihr mitreißendes Lachen, so oft haben wir darüber gewitzelt, dass sie, wenn sie keine Ohren gehabt hätte im Kreis grinsen könnte. Ich werde aus meinen Tagträumen gerissen, als die Fahrstuhltür erneut aufgeht. Ich habe gar nicht richtig bemerkt, wie wir in der Empfangshalle mit dem Tresen angekommen sind und uns in diesen bequemen Sesseln niedergelassen haben. Aus dem Fahrstuhl treten nun zwei Männer. Francis Stahl, der Clanchef der Toreador, wie mir Mellory erklärt und ein „Schützling“, ein Mann, dessen Gesicht mir irgendwie bekannt vorkommt, vermutlich aus der Modebranche, sein Name ist Virgil Flacon, wie sich bald herausstellt. Ein weiteres Männergespann betritt den Raum, Cybill Skinner, Clanchef der Ventrue und sein „Schützling“ ein Priester, der sich später als Pater Nepomuk von Platen vorstellt. Aus dem Toreador-Duo wird bald ein Trio, als Mark Brandis den Saal betritt. Eine kurze Googlesuche ergibt, dass er Musiker ist. Als Letztes trifft ein einzelner Mann ein, Carle Montanari, ohne Begleitung, später findet Mellory heraus, dass er den Giovanni angehört. Die vielen kleinen Nebengespräche fallen mir auf, hier scheint keiner an Zurückhaltung interessiert zu sein, denke ich zuerst, später erfahre ich, dass meine Sinne geschärft sind. Alle gemeinsam treten wir vor die Prinzessin, die seit Jahrzehnten Hamburg regiert und trotzdem noch das Aussehen einer Mitte-20-jährigen hat. Die recht steife Vorstellung wird lediglich dadurch interessant, dass niemand Lady Alana kennt, die Carle als seine Mentorin vorstellt, jedoch der Prinzessin wohl ein Begriff ist. Es gibt Blutkelche zu trinken, wir erfahren, dass wir als Neuankömmlinge gemeinsam von einem Sheriff unterwiesen werden, zusätzlich zu unseren Mentorenstunden. Unser Sheriff heisst Nancy Randell und lässt sich lediglich unsere Kontaktdaten geben, um uns erst einmal unseren Mentoren zu überlassen. Pater Nepomuk ist ein „Musterschüler“ und „Besserwisser“, er hat alles schon mal gelesen oder gehört scheint mir und muss jeden mit seinem Wissen beglücken, ob man will oder nicht. Auf jeden Fall steht fest, dass wir einen sogenannten Klüngel bilden und wohl viel Zeit – den Anfang der Ewigkeit – miteinander verbringen werden. An dieser Stelle kann man den tiefen Seufzer quasi hören. Carle ist Italiener, sein Vater stellt Maschinen her und er selbst scheint von zu Hause geflüchtet. Mark setzt sich später selbst ans Schlagzeug, er macht gute Musik und wir kommen ins Gespräch und beschließen ins mutter zu wechseln, Virgil begleitet uns. Es gibt eine großartige Wunschkonzertparty. Später stoßen auch Carle und Pater Nepomuk dazu. Er spricht von Beherrschungen, ich merke, dass er es bei mir anwendet, kann mich aber irgendwie zur Wehr setzen. Ich habe gleichzeitig eine positive Wirkung auf meine Gäste, sie konsumieren fleißig und amüsieren sich. Ich mache am Ende wieder selbst das Licht aus und schließe ab. Dann falle ich ins Bett. 

Spät am 10 März gehe ich zu meinem Büro. Mellory wartet bereits auf mich. Sie ist weit weniger distanziert und beantwortet bereitwillig und ausführlich meine Fragen. Ich lerne vieles über schädliche Wirkungen, Heilung, Clans und Clandisziplinen, also unterschiedliche Fähigkeiten, mit denen wir Vampire ausgestattet sind oder die wir lernen können. Ich merke mir, dass ich mir keine Gliedmaßen, besonders nicht den Kopf, abtrennen lassen sollte, ebenso schadet mir insbesondere Sonnenlicht und Feuer, anscheinend werde ich enorme Angst vor Feuer entwickeln. Vom Sheriff wissen wir, dass wir im Kampf bzw. der Selbstverteidigung geschult werden sollen, also will ich auch wissen, wer meine Feinde sind (da sind die Vampire des Sabbat, die Gegner der Camarilla, der ich anscheinend angehöre, außerdem soll ich mich in Acht nehmen vor Werwölfen und anderen Formwandlern mit Klauen oder Reißzähnen und natürlich vor Menschen der Inquisition oder solchen mit wahrem Glauben). Dann geht es ans Eingemachte. Wir sprechen über die den Brujah innewohnenden Disziplinen und loten aus, welches meine Fähigkeiten sind. Ich kann meine Sinne schärfen, das nennt sich Auspex, dies ist zwar nicht typisch, aber ich kann es halt und kann wohl irgendwann auch zum Gedankenlesen trainiert werden, die Toreador können das wohl auch. Dann gibt es die Präsenz, also das Wirken auf Personen, mehr so eine Gefühlsbeeinflussung (das können die Toreador auch) und wirkt etwas anders als die Beherrschung, die sowohl Ventrue als auch Giovanni können. Ganz speziell kann ich Temporis. Das ist eine Kraft, mit der ich Zeit wahrnehmen, aber wohl auch manipulieren kann. Ich erinnere mich an meine Begegnung mit meiner Erzeugerin. Die Déjà-vus hat sie womöglich gemacht. Ich über mit meiner Mentorin den Einsatz meiner Fähigkeiten und gehe auch Jagen, denn das unauffällige Bluttrinken will gelernt sein und vor allem das rechtzeitige Aufhören. Ich merke, wie schwer mir das fällt und hoffe, dass ich nicht zu viele Leichen produziere. Ein beachtliches Phänomen, findet zumindest meine Mentorin, ist meine Heilkraft. Normalerweise leckt man über die Wunden seiner Opfer, um diese verschwinden zu lassen, bei mir reicht eine sanfte Berührung. Irgendwie bin ich froh, dass ich nicht auch noch die Menschen anlecken muss. Als letztes teste ich noch mal die Geschichte mit den Verletzungen und eigenen Heilfähigkeiten, ich bin überrascht, wie zäh und widerstandsfähig meine Haut geworden ist. Früher tat es schneller weh und ich konnte einfacher schneiden. Es ist jedoch immer noch faszinierend mit anzusehen, wie sich die Haut langsam teilt und dann wieder zusammenwächst. Mein Kopf raucht förmlich von so vielen neuen Informationen. Ich werde müde, bleibe heute Nacht nicht in der mutter, sondern beschließe von der Jagd ins Bett zu gehen. Wolfgang hat sich lange nicht gemeldet. Ich schreib ihm noch eine SMS, aber falle dann wieder in tiefen Schlaf.

Der Sonntagabend, der 11. März, beginnt spät. Lange habe ich geschlafen, im Wachwerden überfallen mich besorgniserregende Bilder. Ich kann deutlich erkennen, dass diese vom Abend mit meiner Erzeugerin stammen. Ich sehe sie, ich sehe Wolfgang, ich sehe Blut und spüre, schmecke und rieche förmlich sein Blut. Ich stehe neben mir und beginne wie mechanisch mit meinen Ritualen, Yogaübungen, Duschen, Schminken, die Maske sitz perfekt wie immer, in meinem Kopf ist kein klarer Gedanke zu fassen. Zwischendrin schreibe ich eine SMS nach der anderen. Wolfgang antwortet nicht, stattdessen klingelt das Telefon. Die Nummer ist unterdrückt und ich überlege, ob ich wirklich rangehen soll, hebe dann aber doch ab. Es ist dieser Pater Nepomuk, ich in schroff zu ihm und als er versucht auf „großer Helfer“ zu machen, lege ich einfach auf. Eine Minute später klingelt wieder das Telefon, diesmal keine unterdrückte, aber dennoch fremde Nummer. Es ist Carle, er bittet mich in die mutter zu kommen und ich versichere in kurzer Zeit dort zu erscheinen. Ich gehe also los, immer noch nicht ganz klar im Kopf, dann bekomme ich endlich eine SMS von Wolfgang. Ich sehe wieder Bilder von Blut und Schatten gegen die ich mich kaum wehren kann. Er schlägt ein Treffen im Büro vor und ich versichere ihm in wenigen Minuten dort zu sein. Mein Weg führt direkt durch die Kneipe zum Hinterzimmer, Carle und Nepomuk habe ich völlig vergessen und nehme mir nicht die Zeit, die Zwei zu begrüßen.


Wolfgang verhält sich eigenartig, er bettelt wie ein liebestoller Teenager auf Drogen nach meiner Gunst. Ich bin irritiert und beschließe meine Mentorin zu kontaktieren. Etwas befremdlich finde ich seine Reaktionen auf meine Worte, es ist wie diese Beherrschung, aber sehr viel direkter. Als würde ich ihm Befehle erteilen können, auf die er sofort und kompromisslos ohne zu hinterfragen reagiert. Mellory erklärt mir, wie es sich mit Ghulen verhält, Menschen, die von unserem Blut trinken. Es lässt sie stärker werden, langsamer altern und wirkt wie eine Sucht. Ich finde heraus, dass er diese Stärke sehr wohl schon gespürt und auch direkt benutzt hat. Er war am Hafen und hat an sogenannten Dockfights teilgenommen, sprich er hat sich grundlos mit anderen geschlagen. Ich fürchte, er könnte über das Ziel hinaus schießen und die Masquerade gefährden, also untersage ich ihm direkt etwas ohne mich zu unternehmen. Gleichzeitig hat er ab sofort mich zu schützen. Das funktioniert überraschend einfach und gut, danach gebe ich ihm sein Suchtmittel. Ich bin überrascht, wie leicht es mir fällt so über ihn zu gebieten und gleichzeitig befremdlich, denn ich mochte seine Art bisher sehr gern.
Ich stelle Wolfgang Carle und Nepomuk vor. Es ist Sonntagnacht und in der Kneipe ist nicht wirklich viel los. Ich lade die Herren ein, sich den Schauplatz am Hafen einmal anzusehen. Dort angekommen scheinen Carle und Nepomuk sehr angetan und beschließen spontan in einem Teammatch im Cagefight anzutreten. Ich setze zum Spaß 100,- € auf ihren Sieg. Recht schnell wird das blutige Spektakel zu ihren Gunsten entschieden. Ich sorge noch dafür, dass die frisch gemachten Fotos der Beiden wieder gelöscht werden, verpasse ihnen aber noch ihren ruhmreichen Teamnamen. Man kennt sie jetzt als „the miracle violence connection“ und als „Dr Morte“ und „BamBam Nepo“. Die schrecklichen Bilder in meinem Kopf machen mir wieder zu schaffen und ich suche nach Möglichkeiten der Ablenkung. Die 700,-€uro Gewinn will ich für unser Vergnügen ausgeben, aber weder Essen noch Trinken kommen da in Frage, auch ist Sonntag-Nachts noch viel Party zu finden, dann schlage ich einen Besuch im Spielcasino vor. Jedoch ist die Kleidung der Kämpfer so verunreinigt, dass ein Besuch des Etablissements im CCH nicht möglich scheint. Nepomuk zeigt uns seinen Schneider und ich bestelle zwei Anzüge für Wolfgang, die in vier Tagen zur Abholung bereit sind. Ich muss meine Meinung über Pater Nepomuk revidieren oder sagen wir anpassen. Er ist immer noch ein Besserwisser, aber heute nicht annähernd so arrogant und überheblich wie beim ersten Zusammentreffen. Unsere Handys klingeln gleichzeitig, wir werden vom Sheriff Nancy für den Abend um 23 Uhr zum Training in bequemer Kleidung einbestellt. Schließlich setzen wir die zwei an einem Taxistand ab und Wolfgang fährt mit mich nach Hause.


Den Rest der Nacht verbringen wir gemeinsam. Ich denke und grüble über die Veränderungen. Ich frage mich, ob mit der Verwandlung, sowohl meiner als auch seiner, sich meine Gefühle zu ihm geändert haben. Ich fühle mich eigenartig distanziert ihm gegenüber. Mich quälen immer noch diese Bilder, mein letzter Eindruck sind meine blutüberströmten Hände, bevor ich einschlafe.


Am Abend des 12. März weckt mich Wolfgang rechtzeitig. Ich spule dennoch mein gewohntes Programm ab. Ich habe immer noch keinen guten Weg gefunden, die Erinnerungen von meiner Erzeugung richtig zu ordnen und nicht von den blutigen Bildern eingenommen zu werden. Nach einem kurzen Jagdausflug im Schanzenpark nehme ich Wolfgang mit in die mutter, gegen 21 Uhr wollten Carle und Nepomuk wieder eintreffen. Es ist Montag und daher Ruhetag. Als es an der Tür klopft geht Wolfgang aufmachen, es ist ein Kurier, ich bekomme Post von der Polizei, es ist eine Vorladung. Ich bin verwirrt, es geht um Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetzt, das erkenne ich zumindest auf den ersten Blick. Ich bin nicht fähig klar zu denken und sehe immer nur die Uhrzeit. Um 13 Uhr soll ich auf der Wache erscheinen, ich werde nervös. Als Nepomuk eintrifft, erinnere ich mich daran, dass irgendwer gesagt hat, er wäre mal Anwalt gewesen. Ich frage ihn kurzerhand und als er es bestätigt, drücke ich ihm das Schreiben in die Hand. Ein kurzer Blick reicht und er hat ein paar spontane Ideen, wie man dagegen vorgehen kann. Er fragt nach einem Computer, Internetzugang und meiner Vollmacht und macht sich bereits an die Arbeit. Es scheint für ihn ein leichtes zu sein, gleichzeitig macht er klar, dass er bei Gelegenheit eine entsprechende Leistung von mir wollen würde. Jetzt verstehe ich, was Mellory gemeint hat, als sie über Schulden gesprochen hat. Er erklärt mir kurz, dass es um Körperverletzung, Nötigung und Betäubungsmittel geht. Es scheint als würde jemand mir oder der Mutter schaden wollen. Ich vertraue auf sein Wissen und hoffe es ist wirklich so einfach, wie seine Erklärungen jetzt klingen. Gleichzeitig informiere ich per SMS Mellory darüber, dass es da wohl einen Widersacher gibt und sie will sich umhören, ob es unsere neuen Kreise sind oder ich mit der Menschenwelt Probleme bekomme.


Gerade jetzt wird mir klar, wie sehr und vor allem wie schnell sich alles verändert hat. Wenige Tage sind vergangen und ich vertraue meinen neuen Bekannten mehr als meinen alten Freunden. Meine Gefühle zu Wolfgang haben sich total verändert, wenn nicht gar meine gesamte Gefühlswelt auf dem Kopf steht. Jedoch viel wichtiger ist es, diese blöden Bilder loszuwerden. Ich muss dagegen etwas unternehmen, ständig scheinen sie angetriggert zu werden. Noch während ich darüber nachdenke, muss ich ständig versuchen sie zu unterdrücken.

Carle traf nur kurz nach unserem Gespräch ein und gerade als wir uns auf den Weg machen wollten, klingelte sein Telefon. Er hatte wohl einen Termin verpasst oder ähnliches, auf jeden Fall war die Ausrede mit dem ADAC brauchbar. Dann klingelte das Telefon von Nepomuk, der Sheriff war dran und musste den Trainingstermin absagen, weil seine Anwesenheit in Ahrensburg gefragt war. Schulterzuckend nahmen wir die Nachricht auf und überlegten, was wir mit der nun frei gewordenen Nacht anfangen wollten. Da klingelte wieder das Telefon und der Sheriff teilte uns mit, dass Virgil nicht erreichbar wäre. Bei mir spielten sich in Gedanken die wildesten Verbindungen ab. War Virgil etwa abgehauen? Einfach so oder ist ihm womöglich etwas zugestoßen? Hatte er vielleicht auch Feinde? Waren seine Feinde vielleicht auch meine Feinde? Waren es vielleicht sogar Feinde des ganzen Klüngels? Carle riss mich aus meinen Wahnspiralen und verkündete für ein paar Stunden arbeiten gehen zu wollen. Etwas überrascht nahm ich seine Aussage zur Kenntnis und beschloss aber mit Nepomuk und Wolfgang die Zeit zu nutzen, um bei Virgil zu Hause vorbei zu schauen.
Im Karolinenviertel angekommen war es ruhig. Wir sahen uns das Haus und die Umgebung an, prüften Fenster und Türen und entdeckten auf dem Fußboden eine Flüssigkeit am Eingang zur Küche. Ich entschied, dass ein Einstieg durch eines der hinteren Fenster, am besten wäre. In der Küche fanden wir die tote Haushälterin, ihre Kehle war aufgerissen, ein unschöner Anblick, wenn auch weitaus weniger blutig als ich erwartet hatte. Ich griff instinktiv zum Telefon und kontaktierte Carle, der gerade mit seiner Familie gesprochen hatte, was seinen Akzent deutlicher zu Tage förderte. Ich berichtete ihm, es gäbe eine Leiche zu entsorgen. Nepomuk durchsuchte das Haus und musste feststellen, dass sämtliche Kleiderschränke geräumt waren. Virgil schien also bewusst ausgezogen zu sein. Carle war schnell vor Ort und Wolfgang half ihm beim Sargtragen. Eine schlaue Idee eine Leiche unter einer anderen Leiche zu verstecken. Pater Nepomuk übernahm den Putzteil und danach fuhren wir alle zum Blankeneser Friedhof.


Der Abend war noch jung und nach einigen Erwägungen und Möglichkeiten entschieden wir uns noch mal zum Elysium zu fahren. Ich konnte nicht verstehen, warum Nepomuk diesen Ort so spannend fand. Wolfgang musste im Auto warten, während wir zur Aussichtsetage des Fernsehturmes fuhren. Anscheinend war es eine Bar, die unterhalb des Thronsaales lag. Der Wächter des Ortes und seiner Regeln, namens Nathen, begrüßte uns und erklärte uns noch mal deutlich, was wir zu beachten hätten. Nach kurzer Zeit fiel uns ein Junge auf. Ein bedauernswertes Geschöpf, das anscheinend bei allen anwesenden Vampiren auf Ablehnung stieß. An unserem Tisch angekommen stellte sich der Kerl als Nico vor und erklärte uns sein Anliegen. Der Umstand, dass er in einem Kinderheim lebte bzw. dort „zu Hause“ war, machte ihn mir sofort sympathisch und ich konnte ihm seine Bitte nicht mehr abschlagen. Er erklärte uns, dass zwei seiner Freunde verschwunden waren. Sie wären nicht wieder ins Heim zurückgekehrt und er hätte bereits nach ihnen gesucht und sei jetzt ratlos. Nachforschungen über seinen Vertrauten, den Hausmeister Norbert verliefen nicht zufriedenstellend. Die anderen waren ebenfalls bereit zu helfen und so folgten wir zu dem gewöhnlichen Aufenthaltsort der Kids. Am Fischereihafen konnte Carle herausfinden, dass die Kinder hier häufig negativ auffallen, dann erspähten wir einen der vermissten Jungen, Patrick ist sein Name. Er sah körperlich verändert aus und wollte uns entwischen, als Carle ihn an die Wand drückte brach die Kraft aus dem Jungen heraus und schleuderte Carle fort. Wir konnten ihn dennoch stellen und befragen. Die Sprache kam auf seinen Meister, das ließ uns hellhörig werden und wir identifizierten einen Sabbatjünger, einen Tzimisce, wenn ich Nepomuk da richtig verstanden habe.


Das Versteck lag in der Kanalisation, mit einem tiefen Seufzer begaben wir uns in die Tiefe. Zum Glück war der Junge verständig, versuchte weder wegzulaufen noch andere Dummheiten zu veranstalten. Wir konnten den Bösewicht verwinkelten Gängen folgend in seinem Versteck aufspüren. Nepomuk eröffnete sofort das Feuer, immerhin brauchte ich so nicht meine Unwissenheit entblößen und fragen was ein Tzimisce war, konnte oder tat. Carle warf sich in den Gegner steckte gleichzeitig die gegnerischen Attacken ein, während Wolfgang und Nepomuk mit ihren Pistolen Dauerfeuer aussendeten. Nico suchte seinen zweiten vermissten Freund namens Gerold und konnte ihn aus der Gefahrenzone bringen. Während Carle, Nepomuk und Wolfgang den inzwischen auf unnatürliche Art angewachsenen Bösewicht zu malträtieren, konnte ich ihn umrunden. Nach einigen guten Treffern fing dieser an zu schwanken, immer wieder zusammenzubrechen und sich wieder erheben. Da erinnerte ich mich an die Erzählungen vom Pflocken und brach aus dem herumstehenden Mobiliar ein Holzbein als Pflockhilfe heraus. Ich wartete auf den geeigneten Augenblick, der kam als Schatten um seinen Kopf herum eigenwillige Muster bildeten. Der Mann schien verwirrt und ich rammte ihm den Pflock von hinten in die Herzgegend, mit viel Anlauf warf ich mich mit dem ganzen Körper auf ihn und war überrascht ihn niederringen zu können.
Final überlegten wir viel hin und her, aber entschieden uns dann den Sheriff zu rufen. Ungläubig nahm sie die Information auf und konnte es wohl erst glauben, als sie es mit eigenen Augen sah. So gewannen wir heute eine großen Gefallen bei Nico und eine Gefallen beim Sheriff. Das war eine mega spannende Nacht und müde falle ich jetzt in mein Bett und verschlafe den Tag.


Nach erholsamen Schlaf erwacht Martje am 13. März, wie immer recht spät und schickt Wolfgang los, um in der mutter nach dem Rechten zu sehen. Noch recht zufrieden mit sich selbst und den vergangenen Erlebnissen beginnt sie mit den alltäglichen Körperpflegeritualen als sie die SMS auf ihrem Handy bemerkt. Der Sheriff hat zum heutigen Training geladen. Verwundert und noch etwas tranig wischt sie die Nachricht beiseite. Hatte sie letzte Nacht nicht gesagt, das Training wäre auf länger verschoben? Nun gut, es war früh und vielleicht war ihre Erinnerung auch dort etwas lückenhaft. Nachdem sie ihre Sachen organisiert hatte, machte sie sich jedoch auf den Weg in die Kneipe. Unterwegs hielt sie im Schanzenpark und suchte nach einem geeigneten Junkie, um nicht in Hungergefühle zu geraten, wenn sie nachher im Training ihr Blut einsetzen müsste. Außerdem hoffte sie, dass das leichte Rauschgefühl ihre Aufregung etwas mindern würde. Sie fand einen Kiffer, dem sie faszinierende indianische Geschichten erzählte und mit esoterischen und bewusstseinserweiternden Erfahrungen köderte, sich ihrem Biss hinzugeben. Die Erfahrung schien ihm auch unvergleichlich und Martje hoffte, dass es sich vielleicht rumsprechen würde und sie so mehr potenzielle Opfer anlocken könnte.


In der mutter angekommen, bemerkte sie, dass ihr halber Klüngel bereits eingetroffen war. Ihr Geschäft hatte sich offenbar zum Standarttreffpunkt entwickelt und ihr fiel auf, dass es notwendig wäre Maßnahmen zu ergreifen, um keine allzu große Aufmerksamkeit zu erregen. Sie wies Debby an, auf dem Tisch ein Schild „Stammtisch“ anzubringen und dafür zu sorgen, dass dort nur besondere Freunde gastieren. Ein passendes Kennwort musste/würde sie sich noch überlegen. Außerdem sollte sie morgen blickdichte Gläser besorgen und Schalen mit zuckerfreiem Kaugummi aufstellen, da die Gäste nie etwas bestellen würden. Schon für jetzt sollte Carolina die Bedienung dunkle leere Flaschen an den Tisch bringen, damit zumindest der Schein des Verzehrs gewahrt bliebe. Dann ging sie ins Büro, in dem Wolfgang wie angewiesen wartete. Sie offenbarte ihm, dass er zukünftig mehr mit dem Geschäft zu tun haben würde, denn die Pläne mit Nepomuk sahen vor, dass er die Geschäftsführung übernehmen sollte, wenn auch nur auf dem Papier. Er war überrascht und weigerte sich erst, aber als sie ihm die Notwendigkeit klar machte, konnte er keine Widerworte mehr finden.
Am Tisch angekommen tauschte sie mit Nepomuk und Marc, der jetzt auch wieder dabei war, Neuigkeiten aus. Einerseits sprach Nepomuk von Polizisten, die im Schanzenpark ihren Hobbies nachgingen und er von ihnen erfahren hatte, dass in der Stadt mehr Angriffe, wie auf Virgils Haushälterin stattgefunden hatten. Die Presse und offizielle Polizeiberichte sprachen von Hundebissen, jedoch war der Polizei klar, dass da mehr dahinterstecken musste. Marc sprach noch mal von Virgils Verschwinden und dass er vielleicht gar nicht seine Haushälterin ermordet hatte, sondern das Wesen vielleicht auch ihn entführt hätte oder ein anderer Feind es nur so aussehen lassen wollte, als wäre Virgil untergetaucht. Ich hatte kurzzeitig das Gefühl, dass da etwas die Angst aus ihm sprach, dass er sich mehr Sorgen machte als wir es gestern getan hatten. Als er dann mit Blick auf die Uhr fragte, ob wir ein Taxi nehmen würden, fiel mir auf, dass ich ihm Wolfgang noch gar nicht vorgestellt hatte. Nach der kurzen frostigen Begrüßung holte Wolfgang sein Auto, um uns zum Treffpunkt zu fahren. Mit dem Ford Taunus ging es zur Paintball-Halle.


Der Sheriff Nancy wartete schon auf uns und berichtete, dass sie Carle Erholungszeit gewährt hatte, aufgrund seiner gestrigen erlittenen Verletzungen. Er zeigte offensichtliches Nahkampftalent und so wäre für uns der heutige Trainingsaspekt sehr viel wichtiger. In der Arena erhielten wir auf Wunsch Schutzausrüstung und Paintballwaffen, immer mit dem Hinweis, dass die wirkliche Welt ja gefährlicher sei. Die erste Frage von Nepomuk drehte sich noch einmal um die Wirkung von Feuer. Diese Frage nahm der Sheriff zum Anlass mit uns ein Experiment durchzuführen. Kurzerhand entzündete sie ein Feuerzeug. Die Flamme entwickelte sich, fühlte sich größer und bedrohlicher an, als Martje es für möglich gehalten hatte. Ein kurzer Blick zwischen ihr und Wolfgang ließ jeden Beobachter eine stille Kommunikation erkennen. Beide teilten die gleiche Erinnerung an die alten Mutspielchen, die sie über Kerzenflammen abgehalten hatten. Martje hatte damals immer am Längsten ihre Hand über der Flamme halten können. Doch jetzt flößte ihr die Flamme zum ersten Mal Respekt ein, sie atmete tief durch und schaute zu den anderen hinüber. Nepomuk schien ähnlich entspannt und selbst der Sheriff schien sich kurz beherrschen zu müssen, Marc allerdings ließ dem ersten Impuls freien Lauf und sah seine Rettung in einem Fluchtreflex. Wenige Sekunden nach verlöschen der Flamme stand er wieder im Kreis der Neugierigen und beobachtete wie Nancy aus Stoffstreifen eine Fackel bastelte. Wolfgang war völlig unbeeindruckt und fragte sich, ob diese Vampire nicht etwas zu empfindlich reagierten. Doch keiner verließ bei Entzündung der Fackel den Saal und dennoch blieb der Respekt vor dem Feuer.


Es folgte ein erstes Schusstraining. Marc und Nepomuk hatten offensichtlich schon öfter eine Waffe in der Hand, Martje zwar auch, aber anfreunden konnte sie sich nicht mit diesen Dingern. Nancy demonstrierte, wie die gesteigerten Vampirreflexe sich auswirkten und konnte locker den Schüssen ausweichen. Martje traf sogar anstatt dem Ziel ihren Freund. Der seinerseits ergriff die Gelegenheit ihr noch einmal zu zeigen, wie die richtige Haltung aussah. Als auch er auf Nancy schoss, wirkte es als würde er sich zurückhalten. Einzeln gab es kaum eine Chance den Sheriff zu treffen, als jedoch gleichzeitig von verschiedenen Seiten, im Team also, angegriffen wurde, konnten Marc und Nepomuk sie verwunden. Sie nahm es zum Anlass uns auch gleich die Heilfertigkeit zu demonstrieren, ein unschöner Anblick, wenn die Kugeln aus dem Körper „wachsen“. Marc versuchte seinerseits ebenfalls Kugeln auszuweichen, auch er wurde erst durch den Doppelangriff getroffen und es gab erneut diesen ekelhaften Anblick.


Im Anschluss gingen sie in den Nahkampf über. Martje entschied sich für einen Pflock, mit dem sie ja gestern schon Erfolg hatte, die anderen begannen unbewaffnet. Sie entschied sich für einen Angriff auf Nepomuk und hatte Erfolg, jedoch hatte sie gleichzeitig das Gefühl die beiden Männer würden sich gegen sie verschwören, denn die Taktik „Zwei gegen Eins“ war bisher häufig von Erfolg gekrönt. So befahl sie indirekt Wolfgang in das Geschehen einzugreifen. Nepomuk und Marc ihrerseits waren sich aber bei weitem nicht so einig, wie sie gedacht hatte und so erwuchs eine Massenkeilerei. Irgendwann sie ihre Chance Nepomuk den Pfahl ins Herz zu rammen, jedoch reichte ihre Kraft nicht aus, aber er schien sich genötigt andere Mittel einzusetzen und er setzte anscheinend Disziplinen ein, die sie zu gewissen Handlungen zwingen sollten, doch die Anweisungen kamen nicht so klar rüber. Nach einigem Hin und Her und dem freiwilligen Rückzug von Marc, löschte der Sheriff das Licht, um es spannender zu machen. Martje lies sich nicht beirren öffnete ihren Geist für ihre übernatürlichen Sinne und erspähte Nepomuk. Sie griff erneut an, jedoch konnte er sich gut wehren. Nachdem Wolfgang erfolglos versuchte mit einem Feuerzeug Verwirrung zu stiften, ging Martje weiterhin auf Nepomuk los. Diese nutzte seine Schusswaffe, um ihre geschärften Sinne zu betäuben und erwischte sie kalt. Er konnte ihr den Pflock abnehmen und glaubte sich als Sieger verkünden zu können. Doch so leicht wollte sie ihm den Sieg nicht schenken und entriss ihm den Pflock wieder und landete eine letzte erfolgreiche Attacke. Wolfgang hatte während der ganzen Zeit ununterbrochen mit der Paintballpistole auf Nepomuk geschossen und ihn mehrfach, einmal ins Auge, getroffen. Als sie sich selbst zur Siegerin erklärte, während Wolfgang schon die ganze Zeit lamentierte, dass Nepomuk ja schon längst ausreichen Treffer kassiert haben müsste, um „Tod“ zu sein, setzte Nepomuk abermals seine Fähigkeiten ein und erzwang von Martje ein Aufgeben.


Ihre aufkeimende Diskussion wurde durch einen Anruf auf Nancys Telefon gestört. Die kurzen Wortfetzen, die sie von sich gab, ließen darauf schließen, dass in Ahrensburg wohl wieder etwas passiert war und ihre Anwesenheit dort erforderlich machte. Sie klärte uns endlich auf und gab uns sogar einen Auftrag. In der unmittelbaren Umgebung um das Wasserschloss tauchten Leichen von Menschen mit Bissspuren auf, die eindeutig nicht von Kainskindern, aber auch nicht von einfachen wilden Tieren stammten. Der Museumsdirektor Kuno Fuhrer war selbst ein Kainskind, ein Toreador und ersuchte die Prinzessin um Hilfe und so wäre es das Problem von Nancy das Mysterium zu lösen. Es gab zwar in der näheren Umgebung einen Wald, in dem auch Lykantrophen vermutet wurden, jedoch hätten diese bisher die Menschen in Ruhe gelassen. Wir bekamen nun den direkten Befehl, das Gelände des Schlosses im Auge zu behalten und zur Aufklärung des Mysteriums beizutragen.


Wolfgang bot an die ein oder andere Waffe und vor allem Schutzkleidung zu besorgen. Martje verlangte es nach einem silbernen Dolch und einem „modernen“ Pflock mit einem Knauf, wie bei einem Panzerstecher, um mehr Kraft übertragen zu können. Silberkugeln für Pistolen und Gewehre wären im Zweifel auch über Nancy zu erhalten oder wir könnten uns an unsere Mentoren wenden. Zusätzlich erfuhren die Jungvampire noch, dass das Lernen neuer Disziplinen an ein minderes Blutsband gebunden ist. Auch wenn dies nach einiger Zeit abklingt, sollte man sich dennoch gut überlegen, mit wem man dieses Abhängigkeit eingeht.

Gelesen 607 mal Letzte Änderung am Samstag, 30 Juni 2018 10:29

Das Neueste von Martina Witzke

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